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Astrotalk Filmliste Thomas Ritter
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Biographie
CV – https://www.ancientmail.de/autoren/thomas-ritter/ – https://atlantisforschung.de/index.php?title=Thomas_Ritter&utm_source=chatgpt.com
Thomas Ritter wurde am 30. Juni 1968 in Freital geboren und wuchs dort auf. Seine Schulzeit verbrachte er von 1975 bis 1985 an der Polytechnischen Oberschule in Possendorf. Im Anschluss daran absolvierte er im Edelstahlwerk Freital von 1985 bis 1988 eine Ausbildung zum Metallurgen, verbunden mit dem Abitur. Danach folgte der Wehrdienst, erst im Nachrichtenwesen der NVA und nach der Wende kurzzeitig auch im Dienst der Bundeswehr.
Im Frühjahr 1991 begann Ritter das Studium der Rechtswissenschaften an der Technischen Universität Dresden. Dieses Studium verfolgte er fünf Jahre lang bis 1996, bevor er sich dazu entschloss, parallel oder anschließend ein weiteres Studium aufzunehmen, diesmal in mittelalterlicher und neuerer Geschichte, ebenfalls an der TU Dresden. In dieser Phase löste sich seine berufliche Orientierung zunehmend von klassischen akademischen Bahnen und wandte sich den Themen zu, die später sein gesamtes Wirken prägen sollten: Grenzwissenschaft, mystische Überlieferungen, alte Kulturen, spirituelle Traditionen und die Erforschung historischer Geheimnisse.
Seine ersten journalistischen Arbeiten verfasste er bereits ab 1989. Ab 1991 war er freier Mitarbeiter der Zeitschrift „Wissenschaft ohne Grenzen“. In den folgenden Jahren publizierte er regelmäßig Beiträge in Zeitschriften zu Themen wie Mystik, Geschichte, Grenzwissenschaft und Kultur. In den frühen 1990ern beteiligte er sich an Anthologien wie „Neue Kosmische Spuren“ und „Das große Experiment“. 1993 erschien sein erstes eigenständiges Buch „Das Rätsel der Marienerscheinungen“.
Parallel zu dieser schriftstellerischen Entwicklung begann Ritter ab etwa 1990 eine intensive Reisetätigkeit. Diese Reisen führten ihn zunächst quer durch Europa, später verstärkt nach Asien – insbesondere nach Indien. Dort beschäftigte er sich mit alten religiösen Traditionen, Tempelkulturen und spirituellen Überlieferungen. Ein Schwerpunkt wurde die Erforschung der Palmblattbibliotheken. Aus dieser Arbeit entwickelte sich eine neue berufliche Richtung. Er baute Seminare, Vorträge und Kurse auf, in denen er über indische Prophezeiungstraditionen, Schicksalsdeutungen, spirituelle Geographie und mystische Phänomene berichtet. Gleichzeitig gründete er den „Thomas Ritter Reiseservice“, mit dem er thematische Kleingruppenreisen organisiert. Ziel dieser Reisen sind Orte alter Kulturen, mystische Plätze, Palmblattbibliotheken sowie spirituell bedeutende Regionen in Indien, Bali, Nepal, Südfrankreich und anderen Gebieten.
Seit Ende der 1990er und in den 2000er und 2010er Jahren veröffentlichte er eine große Zahl an Büchern zu Themen wie Palmblattbibliotheken, Prophezeiungen, heiligen Orten, Initiationswegen und magischen Traditionen. Besonders bekannt wurden seine Bücher „Die Palmblattbibliotheken und ihre Prophezeiungen zur Zukunft Europas“ sowie „Magische Palmblätter“. Dazu kommen weitere Werke über Indien, spirituelle Überlieferungen und geheimnisvolle Kultplätze. Diese Texte verbinden historische Recherche, persönliche Reiseerfahrungen und esoterisch-spirituelle Interpretation.
Er schreibt, hält Vorträge, organisiert Seminare und entwickelt spirituelle Bildungsreisen. Thematisch reicht sein Spektrum von historischen Mysterien über prophetische Überlieferungen bis hin zu spirituellen Methoden zur Lebensdeutung.
Seine Sprachkenntnisse umfassen Englisch und Russisch in Wort und Schrift sowie Grundkenntnisse in Französisch, Spanisch, Hindi und Tamil. Heute lebt er mit seiner Frau wechselweise an verschiedenen Orten – unter anderem in Indien, Bali, Südfrankreich und in Dresden – und ist weiterhin aktiv als Autor, Seminarleiter und Reiseorganisator.
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Filmlisten
THOMAS RITTER – Multitalent im Gespräch mit Michelle Haintz – https://www.youtube.com/playlist?list=PLMTyjppA8xXTstg7W6HO85vqpwx981glF
Thomas Ritter und die Palmblatt-Bibliotheken – https://www.youtube.com/playlist?list=PLiQarulOJKFpNw1Mfau1rCInN1aqiZCBA

Karin Wangler – https://www.youtube.com/playlist?list=PLVSRO7tXXLv0QG–wRflQ0C144QXxVcyT
Nicole Rosenow – https://www.youtube.com/playlist?list=PLb528Wa6pueBam-JIq_5tpPVH69ZtpVHg

Josef Viehhauser – https://www.youtube.com/playlist?list=PLRBagEMsWsFnuApLZK8FUcr3rtZEE64qg
Baboo Sundaram, Palmblattleser in Chennai – eine traditionelle Palmblattbibliothek in Südindien, die ca. 1.200 Jahre alt ist.

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Göbekli Tepe, Karahantepe, Sayburç, Nevalı Çori und die weiteren Stätten des sogenannten „Taş Tepeler“-Komplexes und die Kristallschädel.

Tiamat und Ketu in der Vedischen Astrologie
Sathya Sai Baba (1926–2011)
Nicholas Roerich – https://en.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Roerich
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Patterns of Destiny by Martin Gansten – https://pdfcoffee.com/patterns-of-destiny-martin-gansten-pdf-free.html – https://talk.vonabisw.de/Astrotalk3/Patterns.pdf – Ein Nadi-Reader ist ein traditioneller indischer Astrologe, der mit den Nadi-Palmblatttexten arbeitet. Diese Texte gelten in Südindien – vor allem in Tamil Nadu – als uralte Sammlungen individueller Lebensbeschreibungen, die von weisen Rishis in einer visionären Schau aufgezeichnet wurden. Die Aufgabe eines Nadi-Readers besteht darin, anhand des Daumenabdrucks die passende Palmblattrolle zu finden, in der das Schicksal der jeweiligen Person beschrieben sein soll. Sobald das richtige Bündel identifiziert ist, liest der Reader Zeile für Zeile aus dem Tamil-Original vor und übersetzt es. Darin stehen häufig Angaben zu Geburtshintergrund, Charakter, karmischer Herkunft und den kommenden Lebensphasen.
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Kataloge im Überblick
https://www.thomas-ritter-reisen.de/reisen-nach-themen/unsere-kataloge-fuer-sie-im-ueberblick
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Reisen zu Palmblattbibliotheken – https://www.thomas-ritter-reisen.de/reisen-nach-themen/palmblattbibliotheken
Südengland, Schottland und Irland – https://www.thomas-ritter-reisen.de/reisen-nach-themen/england-schottland-und-irland
Frankreich und in die Pyrenäen – https://www.thomas-ritter-reisen.de/reisen-nach-themen/heiliger-gral-templer-und-katharer

Alte Kulturen – https://www.thomas-ritter-reisen.de/reisen-nach-themen/alte-kulturen
Templer in Frankreich und in die Pyrenäen – https://www.thomas-ritter-reisen.de/reisen-nach-themen/heiliger-gral-templer-und-katharer
Prophezeiungen für 2025 aus Palmblattmanuskripten – https://www.thomas-ritter-reisen.de/prophezeiungen/prophezeiungen-2025

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Copyright
Volker H. Schendel hat nur das Recht, das Gespräch ungekürzt und unbearbeitet auf frei zugänglichen Videoplattformen (also keine Bezahlschranken) und auf seinen Homepages zu veröffentlichen. – Unser Gast hat das Recht, die mp4-Datei beliebig zu kürzen, bearbeiten oder zu ergänzen und auf seinen Internetangebotsseiten parallel zu veröffentlichen.
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Patterns of Destiny by Martin Gansten
Es handelt sich um eine akademische Monografie aus 2003 (Lund Studies in History of Religions, Vol. 17), basierend auf Ganstens Feldforschung in Südindien 1999. Gansten analysiert Nadi-Manuskripte (z. B. Āśanāḍī, Gurunāḍī, Dhruvanāḍī) als hinduistische Divinationspraxis: Er extrahiert „Muster des Schicksals“ (patterns of destiny) aus karmischen Strukturen, amśa-Divisionen des Tierkreises (150 pro Zeichen, insgesamt 1800), prārabdhakarma (aktives Schicksal) und rituellen Mitteln wie śānti (Sühne). Seine Methode ist interdisziplinär – Philologie, Astrologie, Ethnografie – und versucht, die narrative, ritualisierte Praxis in ein theoretisches Modell zu gießen. Es ist peer-reviewed und einzigartig in seinem Fokus auf die „objektive“ Struktur der Lesungen als vorgefertigte Lebenspläne. – Ganstens Arbeit ist nach wie vor die einzige systematische akademische Untersuchung, die Nadi-Lesungen explizit als modellierbares Schicksalsystem behandelt. Andere Arbeiten (z. B. zu Palmblatt-Manuskripten allgemein) drehen sich um Materialkunde, Paläographie, Katalogisierung oder historische Texte (siehe z. B. Projekte der Sarasvati Mahal Library oder CSMC Hamburg). In Indien gibt es theologische/rituelle Einordnungen (siehe unten), aber keine analytische Modellierung wie bei Gansten. Keine indischen oder westlichen Forscher haben das seit 2003 aufgegriffen.
Theologische Einordnung der Nadi-Lesungen in Indien
Es gibt eine klare, aber rein spirituell-rituelle Einordnung in indischen Traditionen – sie ist jedoch funktional und nicht theoretisch-abstrakt wie Ganstens Ansatz. Basierend auf Quellen wie der tamilischen Jyotiṣa-Tradition und den Nadi-Texten selbst:
- Verankerung in der vedischen und siddha-Tradition: Nadi-Lesungen werden als Offenbarungen großer Rishis (z. B. Agastya, Bhrigu, Vasistha, Kaushika) oder Siddhas (erleuchtete Wesen mit parapsychischen Fähigkeiten) gesehen. Die Manuskripte sind „divine downloads“ – karmisch diktiert durch Śiva oder Viṣṇu, die das Schicksal (daiva) weben. Sie fallen unter die Jyotiṣa-Śāstra (Vedanga der Astrologie), speziell den Zweig der Nāḍī-Jyotiṣa, der den Tierkreis in 12 Zeichen und 27 Nakṣatras unterteilt, mit Fokus auf amśa (Subdivisionen) für karmische Feinheiten.
- Hierarchische Klassifikation:
- Nach Rishi-Linien: 18–21 Haupt-Nāḍīs (z. B. Agastya Nadi für allgemeines Karma, Bhrigu Nadi für Reichtum und Beziehungen, Kausika Nadi für spirituelle Pfade). Jede Linie hat eigene „Bibliotheken“ (z. B. in Vaitheeswaran Koil oder Thanjavur).
- Nach karmischen Ebenen: Prārabdha-karma (festes Schicksal aus vergangenen Leben) vs. kriyamāṇa-karma (freier Wille durch Rituale). Die Lesung teilt sich in Kāṇḍas (Kapitel): Kāṇḍa 1–3 für Vergangenheit/Geburt/Horoskop, 4–13 für Beruf/Familie/Karma, 14 für Mokṣa (Befreiung).
- Regionale/sekten-spezifische Varianten: Tamil-Nāḍī (Daumenabdruck-basiert, non-brahmanisch) vs. Sanskrit-Nāḍī (horoskopbasiert, brahmanisch). In smārta- oder śaiva-Traditionen integriert, mit Betonung auf bhakti (Hingabe) und śānti-Rituale zur Milderung von doṣa (Fehlern).
- Zweck und Praxis: Die Einordnung dient der spirituellen Legitimation – nicht Analyse. Sie regelt den rituellen Zugang (z. B. via Daumenabdruck-Matching), betont Autorität der Priester (als „Mundstücke der Rishis“) und integriert sie in den größeren hinduistische Kosmos (Karma-Reinkarnation, Pantheismus). Es geht um Heilung und Führung, nicht um universelle Muster-Extraktion. Institutionen wie die National Mission for Manuscripts katalogisieren sie als „kulturelles Erbe“, ohne die „Schicksalsorakel“-Komponente zu modellieren.
Im Gegensatz zu Gansten bleibt das indische Verständnis narrativ-rituell: Die Texte sind heilige Artefakte, deren „Wahrheit“ durch Glauben und Praxis entsteht, nicht durch Mustererkennung.
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Ganstens Ansatz fasziniert, weil er wie ein Brückenbau wirkt: Er nimmt eine uralte, esoterische Praxis und bringt sie in ein quasi-wissenschaftliches Korsett – Muster, Permutationen, Logik. Aber genau das macht es so einzigartig.
- Die „Entzauberungs-Falle“ in Indien: Indische Traditionen sind Meister der Synthese – sie weben Logik und Mysterium nahtlos zusammen (s. Advaita Vedanta). Nadi-Lesungen zu „modellieren“ würde sie entmystifizieren, sie zu einem Algorithmus degradieren. Für Priester und Gläubige ist das Schicksal kein Puzzle, sondern ein lebendiges Gewebe aus Karma und Bhakti. Neugier würde bedeuten, die spirituelle Autorität zu unterlaufen. In Indien priorisiert man Erhaltung vor Dekonstruktion; Bibliotheken wie Sarasvati Mahal hüten die Blätter als Reliquien, nicht als Labormaterial. Ergebnis: Stille, weil Neugier die Magie killt.
- Akademische Blasen im Westen und Osten: Gansten ist ein akademisch eine Art Unikat (Indologe mit Astrologie-Hintergrund) – perfekt für Innovation, aber akademisch sehr speziell unterwegs. Spekulativ: Die Indologie ist ein Elfenbeinturm, der sich auf „harte“ Fakten (Texte, Daten) konzentriert, nicht auf „weiche“ Phänomene wie performative Divination. In Indien fehlt es an interdisziplinären Räumen; Forscher stecken in Silos (Philologie vs. Ethnografie). Warum keine Follow-ups? Weil es „nicht skalierbar“ ist – Zugang zu Manuskripten ist elitär, ethisch heikel (Privatbesitz, Geheimhaltung). Plus: Postkoloniale Skepsis – eine westliche Analyse von „indischem Schicksal“ riecht nach Aneignung. Stattdessen blüht der Populärmarkt (Nadi-Tourismus in Tamil Nadu).
- Das größere Bild: Ein ungelöstes Rätsel: Nadi könnte ein „prähistorischer Gottesimpuls“ sein – Rishis als antike Propheten mit Zugang zur Akasha-Chronik, die karmische Archetypen in 1800 amśa-Slots umsetzen. Ganstens Modell ist der einzige akademisch Ansatz, aber ignoriert, weil es die Grenze zwischen Zufall und Determinismus tangiert (Freier Wille vs. prārabdha?). In Indien fehlt Neugier, weil das Leben selbst die „Lesung“ ist – warum ein Modell bauen, wenn Rituale funktionieren?
Zusammengefasst: Ganstens Arbeit ist ein Symptom tieferer Spannungen zwischen Glaube und Analyse. In Indien schützt die Tradition vor Neugier, um ihre Essenz zu bewahren; global ignoriert man es, weil es zu „woo-woo“ für die Wissenschaft ist.
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In der hinduistischen Tradition, besonders der tamilischen und vedischen Wurzeln, sind die Nāḍī-Lesungen keine bloßen Texte oder Vorhersagen, sondern ein lebendiges Gefäß göttlicher Gnade. Sie weben sich ein in das große Gewebe von Karma, Bhakti und der Suche nach Mokṣa (Befreiung).
1. Die göttliche Herkunft: Offenbarung der Rishis
Die Nāḍī (wörtlich „Adern“ oder „Kanäle“) sind wie unsichtbare Ströme des Kosmos, durch die die Weisheit der Großen Seher (Rishis) fließt. Vor Tausenden von Jahren, in Zeiten, da die Welt noch im Rhythmus der Veden pulsierte, saßen Rishis wie Agastya, Bhrigu oder Vasistha in tiefer Meditation. Durch ihre Siddhis (übernatürliche Kräfte, geboren aus reiner Hingabe) erblickten sie nicht nur die Sterne, sondern die Seelen aller Wesen – durch alle Zeiten hindurch.
Śiva, der Große Yogī, oder Viṣṇu, der Erhalter, diktierte ihnen die Schicksale: Jedes Blatt (von der Borassus-Pflanze, heilig als Träger ewiger Worte) wurde mit Tinte aus natürlichen Substanzen beschrieben, getränkt in der Essenz von Mantras. Diese Blätter sind keine Bücher, sondern Prāṇa-Śakti – lebendige Energie, die das Prārabdha-Karma (das aus vergangenen Leben reifende Schicksal) offenbart. Es ist, als ob das Universum selbst flüstert: „Hier ist dein Pfad, gesponnen aus dem Rad der Saṃsāra.“
2. Das karmische Gewebe: Dein unsichtbares Netz
Spirituell gesehen ist eine Nāḍī-Lesung ein Spiegel der Ātman (Seele). Das Karma – die Summe der Taten, Gedanken und Bindungen aus unzähligen Geburten – webt ein einzigartiges Muster. Die 18 oder 21 Haupt-Nāḍīs (je nach Linie) teilen sich in Kāṇḍas (Kapitel), die wie Perlen einer Mala sind:
- Kāṇḍa 1–3: Die Wurzeln – Geburt, Familie, vergangene Leben. Wie altes Karma sich geformt hat, wie ein Fluss, der aus verborgenen Quellen strömt.
- Kāṇḍa 4–13: Das Herzstück – Beziehungen, Beruf, Herausforderungen. Es zeigt Doṣas (Ungleichgewichte), nicht als Strafe, sondern als Lektionen der Liebe und des Lernens.
- Kāṇḍa 14: Der Gipfel – der Pfad zur Befreiung. Hier leuchtet das Licht des Mokṣa auf: Wie du durch Bhakti, Jñāna (Wissen) oder Karma-Yoga die Fesseln der Illusion (Māyā) lösen kannst.
Das Besondere: Es gibt keinen „Zufall“. Der Daumenabdruck (oder der Geburts-Moment) ist wie ein Siegel von Prāna – es führt zum Blatt, das seit Ewigkeiten wartet. Der Leser (ein geweihte Priester) ist nur Kanal; die wahre Stimme kommt von den Rishis, durch die Gnade Śivas.
3. Der Zweck: Heilung durch Hingabe, nicht Kontrolle
Im Kern ist Nāḍī keine Vorhersage-Maschine, sondern ein Akt von Śraddhā (tiefer Glaube). Enthüllt, um zu heilen – Karma schlägt vor, Rituale wie Śānti (Sühne-Mantras), Dāna (großmütige Gaben) oder Tempel-Pūjā anzurufen. Aber der Schlüssel ist die innere Transformation – erkenne das Muster, und du lernst, mit dem Fluss des Lebens zu tanzen, statt dagegen anzukämpfen.
In der Bhakti-Tradition (z. B. bei den Tamil-Āḷvārs) ist das eine Liebeserklärung ans Göttliche: Das Schicksal ist nicht festgeschrieben, um zu binden, sondern um zu wecken. Es mahnt: „Du bist nicht der Körper, nicht die Taten – du bist das Ewige Licht.“ Viele, die eine Lesung empfangen, berichten von tiefer Demut: Plötzlich ergibt das Chaos Sinn, und der Weg zur inneren Stille öffnet sich.
4. Die rituelle Praxis: Ein heiliger Tanz
Stell dir vor, du betrittst einen Tempel in Vaitheeswaran Koil: Du reinigst dich, bietest Blumen und bittest um Segen. Der Leser berührt dein Daumenabdruck mit Andacht, sucht das Blatt – und liest mit vibrierender Stimme, unterbrochen von Pausen für Reflexion. Es ist ein Dialog mit dem Unsichtbaren: Du hörst, du fühlst, du lässt los. Danach: Ein Śānti-Ritual, um das Gehörte zu versiegeln. Das Ganze ist Bhakti in Aktion – Hingabe, die das Herz öffnet.
Fazit: Ein Flüstern des Ewigen
Rein spirituell ist Nāḍī ein Geschenk der Rishis, ein Faden im großen Wandteppich Brahmans (des Absoluten). Es erinnert uns: Das Leben ist heilig, Karma ein Lehrer, und die Befreiung naht durch reine Hingabe. Es geht nicht um „Wissen“, sondern um Erwachen – ein sanfter Stoß, sich dem Göttlichen hinzugeben.
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Korrelationen zwischen Nāḍī-Tradition und Neuplatonismus: Ein philosophisch-spiritueller Dialog
Die Nāḍī-Lesungen – als hinduistische Praxis der karmischen Offenbarung, verwurzelt in Vedanta und Jyotiṣa – teilen mit dem Neuplatonismus (besonders Plotins Enneaden) tiefe Parallelen in ihrer Sicht auf das Absolute, das Schicksal als kosmische Ordnung und den Aufstieg der Seele zur Vereinigung. Beide Traditionen sind synkretistisch: Neuplatonismus webt platonische Ideen mit Astrologie und Mystik, Nāḍī mit vedischer Karma-Lehre und Bhakti. Es gibt keine direkte historische Verbindung (obwohl Spekulationen über indische Einflüsse auf Plotin existieren), aber die strukturellen Ähnlichkeiten sind frappierend, wie sie in vergleichender Philosophie hervorgehoben werden.
1. Das Absolute als Quelle: Brahman / Das Eine und die Emanation der Weisheit
In der Nāḍī-Tradition fließt die Weisheit aus dem Unendlichen (Brahman oder Śiva als allumfassende Śakti), diktiert durch Rishis in Meditation – ein „göttlicher Download“, der das karmische Netz webt. Das erinnert stark an Plotins Das Eine (to Hen), das transzendente, ineffable Prinzip jenseits von Sein und Nicht-Sein, aus dem alles emaniert: „Das Eine Selbst ist formlos [aneídeos], jenseits des Seins [epékeina óntos], unaussprechlich [árrētos]“ (Enneaden V.2.1).
- Parallele: Beide sehen die Manifestation als hierarchischen Abfluss: In Nāḍī emaniert das Prārabdha-Karma (reifes Schicksal) aus Brahmans Fülle („Plenitude proceeds from plenitude… It remains as plenitude“ – Bṛhadāraṇyaka Upaniṣad 5.1.1), ähnlich Plotins Überfluss (hypostasen: Nous/Intellekt → Psyche/Seele → Materie). Die Rishis fungieren wie die Nous – ewige Vermittler, die das Unsichtbare sichtbar machen.
- Zu Nāḍī: Die Palmblätter sind wie emanierte Formen des Einen – Träger von Śakti, die das Individuelle (jīva) mit dem Kosmischen verbinden. Ganstens „Muster des Schicksals“ (patterns) korrespondieren mit Plotins geordneter Emanation, wo Sterne und Schicksal (Heimarmene) kosmische Sympathie schaffen.
- Unterschied: Während Nāḍī die Emanation als karmisch-real (aber transzendierbar) sieht, ist sie in Advaita-Vedanta illusorisch (Māyā als Schleier), näher an Plotins „niedriger Realität“ der Materie als an echter Emanation.
2. Das Karmische Gewebe: Schicksal als Kausale Kette (Heimarmene)
Das Herz der Nāḍī – das „unsichtbare Netz“ aus Prārabdha-Karma, das Leben als vorgewebten Pfad enthüllt – spiegelt den neuplatonischen Heimarmene (Schicksal als kosmische Notwendigkeit). Plotin beschreibt es als sympátheia tōn hólōn (kosmische Sympathie): Die Sterne weben kausale Fäden, die aus vergangenen Taten entstehen, aber durch freien Willen (der höheren Seele) gemildert werden (Enneaden III.1).
- Parallele: In Nāḍī treibt anādi-Karma (beginnloses Karma) Saṃsāra an, wie „indestructible substance which survives [death] and causes a new birth“ (Upaniṣaden) – vergleichbar mit Plotins karmischer Auswahl (Mythos von Er in Platon, erweitert). Die Kāṇḍas (Kapitel) gliedern das Schicksal hierarchisch: Vergangenheit (Wurzeln) → Präsenz (Herausforderungen) → Zukunft (Befreiung), ähnlich dem neuplatonischen Abstieg-Aufstieg der Seele durch Grade der Realität.
- Zu Nāḍī und Astrologie: Nāḍī-Jyotiṣa (mit amśa-Subdivisionen) korreliert mit Porphyrios‘ (Plotins Schüler) astrologischer Integration: Sterne als „powers without will“ (Enneaden IV.4.42), die Karma spiegeln, aber nicht determinieren. Ganstens Modell (Muster-Extraktion) würde Plotins Nous als „Pattern-Recognizer“ entsprechen – eine rationale Ordnung im Chaos des Schicksals.
- Unterschied: Nāḍī betont rituelle Milderung (Śānti), während Neuplatonismus Wissen (noesis) priorisiert; Karma in Nāḍī ist persönlich-karmisch, Heimarmene kosmisch-unpersönlich.
3. Die Rituelle und Innere Praxis: Kontemplation und Hingabe
Die Nāḍī-Praxis – rituelles Vorlesen, Daumenabdruck als Siegel, gefolgt von Śraddhā (Glaube) und Transformation – entspricht dem neuplatonischen Aufstieg durch theōría (Kontemplation). Plotin: „He turns towards himself and finds everything inside (pánta eísō)“ (Enneaden V.3.7), ein innerer Tanz zur Vereinigung.
- Parallele: Beide sind performativ: Nāḍī als Bhakti-Ritual (Hingabe öffnet das Herz), Neuplatonismus als philosophische Ekstase (hénōsis). Der Priester/Rishi als Kanal entspricht dem Lehrer (wie Plotins Ammonius), der die Seele weckt.
- Zu Gansten: Sein systematischer Ansatz (Strukturen modellieren) würde Plotins intellektuelle Analyse der Emanation nachahmen – eine „Meta-Praxis“, die die rituelle Essenz rationalisiert, ohne sie zu entzaubern.
4. Der Pfad zur Befreiung: Mokṣa und Hénōsis
Der Höhepunkt der Nāḍī – Kāṇḍa 14 als Aufruf zur Mokṣa durch Jñāna und Bhakti – ist der direkte Spiegel der neuplatonischen epistrophē (Rückkehr) zur Vereinigung mit Dem Einen. Śaṅkara: „The individual soul is not different from the Absolute“ (Brahmasūtrabhāṣya); Plotin: „Remove the superfluous… until the divine splendour manifests“ (Enneaden I.6.9).
- Parallele: Beide transzendieren Karma/Schicksal durch Erkenntnis: In Nāḍī erlischt Karma bei Realisation („works are extinguished“), in Neuplatonismus löst noesis die Ketten der Materie. Die „Lebensmuster“ werden zu Lehrern, die zur inneren Stille führen – ein gemeinsamer „Erwachens“-Akt.
- Unterschied: Nāḍī erlaubt Jīvan-Mukti (Befreiung im Leben) mit Gnade (anugraha), Neuplatonismus eine ekstatische, aber seltene Union; Vedanta non-dual (advaita), Neoplatonismus hierarchisch.
Fazit: Brücken über Kulturen – Ein Universelles Muster?
Die Nāḍī-Tradition und der Neuplatonismus weben ein gemeinsames Gewebe: Aus dem Absoluten emaniert eine geordnete Welt des Schicksals, die die Seele durch Weisheit und Hingabe transzendiert – ein „ewiges Flüstern“ des Einen/Brahman. Ganstens einzigartiger Ansatz füllt eine Lücke, die Plotin andeutet: Die rationale Kartierung des Karmischen als Weg zur Mystik. Diese Parallelen (besonders zu Advaita) deuten auf einen universellen philosophisches Archetyp hin, der östliche und westliche Mystik verbindet – vielleicht ein Beweis für die „kosmische Sympathie“, die beide lehren. Spekulativ: In einer globalen Spiritualität könnte Nāḍī als „vedischer Neoplatonismus“ dienen, um Schicksal nicht zu fürchten, sondern zu umarmen.
